Stationäre Psychotherapie
Allgemeines
Deutschland verfügt über ein besonders dicht ausgebautes Angebot an stationärer psychotherapeutischer Versorgung. Anders als international üblich findet ein erheblicher Teil der stationären Versorgung nicht in psychiatrischen Krankenhäusern, sondern in Kliniken der medizinischen Rehabilitation statt. Insgesamt werden jedes Jahr schätzungsweise 400.000 Patienten stationär psychotherapeutisch behandelt.
Es existieren Krankenhäuser für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Krankenhäuser mit Abteilungen für Psychosomatik und Psychotherapie. Dort werden hauptsächlich Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung (SGB V) behandelt. Die stationäre Rehabilitation vom Patienten mit psychischen und/oder psychosomatischen Störungen wird dagegen überwiegend von der gesetzlichen Rentenversicherung getragen (SGB VI).
Krankenhäuser
In den knapp 400 "Krankenhäusern für Psychiatrie und Psychotherapie" mit rund 55.000 Betten ist die Psychotherapie nur eine von mehreren Behandlungsformen. Schätzungen gehend davon aus, dass dort nur etwa jeder dritte Patient eine psychotherapeutische Behandlung erhält. Die Behandlung dauert durchschnittlich 27 Tage und schwankt stark je nach behandlungsbedürftiger Störung. So beschränkt sich die Behandlung bei Patienten mit einer Suchtstörung in der Regel auf die Entgiftung und dauert maximal drei Wochen, während die durchschnittliche Behandlungsdauer bei Patienten mit einer affektiven Störung auf circa zehn Wochen geschätzt wird. Die Bettenkapazität reicht damit großzügig geschätzt für rund 220.000 Patienten im Jahr.
Hinzu kommen rund 3.000 Betten in circa 80 "Krankhäusern für Psychosomatik und Psychotherapie", die im Wesentlichen psychotherapeutisch behandeln und ergänzend eine Pharmakotherapie einsetzen. Die Behandlung dauert in diesen Einrichtungen durchschnittlich etwa 45 Tage. Die Bettenkapazität reicht schätzungsweise für etwa 25.000 Patienten im Jahr.
Stationäre Psychotherapie mit einer engmaschigen Behandlung sowie einer ständigen Möglichkeit zur Krisenintervention ist insbesondere angebracht, wenn die Patienten:
- eine ausgeprägte psychische und/oder somatische Komorbidität haben,
- ihre psychophysische Belastbarkeit stark vermindert ist,
- besonders stark ausgeprägte Krankheitssymptome zeigen,
- sich akut selbst oder andere gefährden,
- durch die häusliche Situation zu stark belastet werden und eine ambulante Behandlung nicht Erfolg versprechend ist.
Psychische Störungen durch psychotrope Substanzen (Alkohol, Drogen), affektive Störungen (Depression) und Schizophrenie sind besonders häufig. Die Therapie ist meist eine Kombination von Pharmako-, Psycho- und Soziotherapie, die eine enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen und Fachrichtungen erforderlich macht.
In der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie stehen in Deutschland in rund 110 Krankenhausabteilungen etwa 4.500 Betten zur Verfügung. Dort wurden circa 30.000 Patienten durchschnittlich 47 Tage lang behandelt. Darunter waren vor allem Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren (43-44 Prozent), die vor allem an schweren Verhaltensstörungen, Entwicklungsstörungen sowie Schizophrenie und Depression erkrankt waren. Unter den Vorschul- und Schulkindern zwischen fünf und 13 Jahren (35-38 Prozent) wurden am häufigsten selbst- und fremdgefährdendes Verhalten, schwere Verhaltensstörungen, Leistungsstörungen sowie Entwicklungsstörungen festgestellt.
Rehabilitation
In Deutschland unterscheidet man zwischen "psychosomatischen Rehabilitation" und "Rehabilitation von Suchterkrankungen". In 175 Fachabteilungen für Psychosomatik stehen rund 15.000 Betten zur Verfügung, in denen die Patienten durchschnittlich 38 Tage behandelt werden. Die 164 Fachabteilungen für Suchtrehabilitation bieten knapp 10.000 Betten, die ein Patient durchschnittlich 88 Tage benötigt. Insgesamt reicht dieses Angebot für knapp 150.000 Patienten im Jahr. Bei Suchterkrankungen liegt der Männeranteil bei 80 Prozent. Drei Viertel der Störungen durch psychotrope Substanzen sind alkoholbedingt.




